Massive Kapitalströme aus den USA nach Europa: Was hat es damit auf sich?
  • Jonathan Rowe
  • 28.03.2024

Seit Anfang des Jahres ist ein Trend zu partiellen Kapitalströmen nach Europa zu beobachten. Hierfür gibt es mindestens vier Gründe. Der Hauptgrund ist die Angst vor einer Rezession in den USA in diesem Jahr. Der zweite Grund hängt mit dem ersten zusammen und besteht darin, dass an der Wall Street die Meinung verbreitet wird, der US-Markt sei überhitzt und die Aktien seien überbewertet. Der dritte Grund ist die Stabilisierung der EU-Wirtschaft aufgrund der Kaufschocks im Zusammenhang mit dem Beginn des Krieges Russlands mit der Ukraine und vor allem die Stabilisierung des Gasmarktes.

Ein letzter möglicher Grund ist, dass sich trotz der allgemeinen Rezession nicht alle Sektoren der europäischen Wirtschaft in der Krise befinden. Einigen Sektoren und einzelnen Unternehmen geht es gut, insbesondere den folgenden Sektoren:

  • Biotechnologie;
  • Halbleiterherstellung
  • IT;
  • Telekommunikation;
  • Pharmazeutika.

Die europäischen Gesundheits- und Biotechnologieunternehmen haben während der Covid-19-Pandemie gut abgeschnitten und erhielten daher eine lokale Dosis PR. Darüber hinaus ist der europäische Kontinent führend im Kampf gegen den Klimawandel: In vielen EU-Ländern werden mehr als 50% des Stroms auf umweltfreundliche Weise erzeugt.

Auch andere Unternehmen der genannten Branchen haben sich in den jüngsten Wirtschaftskrisen und vor dem Hintergrund der systemischen Probleme der europäischen Wirtschaft im Allgemeinen als widerstandsfähig erwiesen.

Der europäische STOXX 600-Index konnte in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 6,5% zulegen. Das ist weniger als der S&P500, der im gleichen Zeitraum um 9,6% zulegte. Dies sind jedoch noch nicht die endgültigen Ergebnisse, und wir werden noch lange auf die endgültigen Ergebnisse warten müssen. Nach den Prognosen der Europäischen Kommission wird das europäische BIP-Wachstum bei 0,9% liegen, während für die USA ein beeindruckendes BIP-Wachstum von 2,4% prognostiziert wird.

Warum fließt trotz dieser Asymmetrie zwischen dem prognostizierten Wachstum in den USA und in Europa das Kapital in andere Länder und nicht in die USA? Neben den oben genannten Gründen ist eine mögliche Erklärung, dass viele europäische Unternehmen aufgrund der in den vergangenen Jahren beobachteten Kapitalabflüsse unterbewertet sind.

Es wird auch zunehmend die Ansicht vertreten, dass der S&P500 stark überbewertet ist und der europäische Markt im Vergleich dazu sicherlich ruhiger und weniger überhitzt aussieht. Gleichzeitig ist der europäische STOXX 600-Index in den letzten drei Monaten stetig gestiegen und wird allgemein als weit weniger überbewertet angesehen als sein amerikanisches Pendant.

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